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Ute Bales

»Amerika ist weit«
Roman aus der Eifel

 

»Amerika ist weit« heißt der überarbeitete und neu aufgelegte Roman von Ute Bales, der erstmals 2006 unter dem Titel »Der Boden dunkel« erschienen ist. Es geht darin um den Träumer und Verweigerer Klaus Henkes, um eine große Sehnsucht und um die Unmöglichkeit, vor sich selbst wegzulaufen.

Ein Dorf in der Eifel gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Aus Angst vor Bombenangriffen flüchten die Leute in die Wälder, wo sie sich in Höhlen verstecken. Mit dabei sind der sechsjährige Klaus, dessen Mutter, der Großvater und drei Geschwister. Für Klaus sind der Krieg und die Verstecke nicht nur ein abenteuerliches Spiel, sondern zudem eine große Naturerfahrung. Es macht ihm nichts aus, dass sein Vater im Krieg ist, hat er doch Ina, seine Mutter, die er abgöttisch liebt.
Früh schon fällt auf, dass Klaus ein Einzelgänger ist, der in seiner eigenen Welt lebt. Nahezu resistent gegen jegliche Bevormundung ignoriert er die Erziehungsversuche seines Großvaters, verweigert die Mithilfe auf dem elterlichen Bauernhof, liegt stattdessen in den Wiesen, liest Wildwestromane und träumt von Amerika.
Als der Vater aus dem Krieg zurückkehrt und die Mutter keine Zeit mehr für ihn hat, zieht er sich noch mehr in sich selbst zurück, umgeht Schule und Ausbildung, streift tagelang durch die vulkanische Natur, hält sich fern vom Dorfleben, das geprägt ist von harter Arbeit, Religion und Konventionen, die ihn tagtäglich unter Anpassungsdruck setzen.
Was anfangs wie jugendlicher Trotz wirkt, wächst sich mit der Zeit zu einer notorischen Verweigerung aus. Klaus malt sich seine Welt bunt und bunter, verliert sich in Luftschlössern und Dunstbildern, die stetig zunehmen, seine Sinne verzerren und ihm den Boden unter den Füßen wegziehen, da ist er nicht mal zwanzig.  
Gelegenheitsjobs geht er nur an, wenn er kein Geld hat. Er spürt, dass er anders ist als andere, sucht nach Sinn und Halt, findet aber nichts, was ihm Glauben an sich selbst vermittelt. Aus diesem Mangel heraus gibt er dem Hang zum Suff und Demonstrationen seiner Tollheit nach. Um bewundert zu werden, schwimmt er durch die eiskalte Kyll, schultert auf dem Dachgebälk eines Neubaus eine rekordverdächtige Ziegelladung und schreckt nicht zurück, als einer seiner Kumpels ihn brauchen kann, um ein »richtiges Ding« zu drehen.
Zentrale Themen des Romans sind zum einem die schwierige und konfliktbeladene Vater-Sohn-Beziehung – typisch für die Zeit, in der die Väter meist schwiegen – und zum anderen die psychische Verfassung eines Hochsensiblen, der zeitlebens missverstanden und belächelt wird.  

»Jeden Abend lehnt er an Marthas Tresen, unterhält sich, sieht fern, raucht. Vor allem trinkt er. Bier und Schnaps und alles, was Martha so anbietet. Meist lässt er anschreiben. Deckel voller Striche. Regelmäßig kommt seine Mutter, bezahlt die Deckel, weil sie es nicht aushalten kann, wenn er Schulden hat. Jedes Mal, wenn er nach Hause kommt, beklagt sie sich, wirft ihm vor, nicht zu arbeiten und schreit herum, dass er ihr mit seiner Sauferei noch die Haare vom Kopf frisst …«

Ute Bales gelingt es, einen Sonderling als lebendige, sozial und zeitgeschichtlich stimmig verortete Romanfigur zu gestalten. »Amerika ist weit« ist ein gleichermaßen tragischer und dramatischer Roman über einen, der nichts will und nichts fordert, der nach nichts strebt und für den die Welt keinen Ehrgeiz entwickeln muss. Der Traum von Amerika durchzieht das gesamte Buch. Aber Amerika ist weit für einen Jungen aus der Eifel, zu weit.


 

 

Ute Bales »Amerika ist weit« • Rhein-Mosel-Verlag, Zell/Mosel
188 Seiten • Broschur • ISBN 978-3-89801-400-7 • 11,00 Euro

 

Rhein-Mosel-Verlag, Brandenburg 17, 56856 Zell/Mosel, Tel. 06542-5151
Fax 06542-61158, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.rhein-mosel-verlag.de

 

 

 

 

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